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Robert Moser – Bilder einer Landschaft

Der Maler und Bildhauer Robert Moser war im September 2020 als Artist in Residence – als sogenannter Schlossmaler – im Landesbildungszentrum Schloss Weinberg, wo er sich mit dem Medium der Malerei mit dem Gebäude und der das Schloss umgebenden Landschaft auseinandergesetzt hat. Während vier Wochen konzentrierter Arbeit in selbst auferlegter Klausur in einem hellen Gewölbe des Nordturms ist ein 20-teiliger Bilderzyklus entstanden, aus welchem nun, ein Jahr später für den Zeitraum eines halben Jahres eine Auswahl von vierzehn Leinwänden in der Galerie Schloss Weinberg präsent werden wird.

In diesen angespannten, von trügerischer Ruhe geprägten Septemberwochen (die große zweite Coranawelle stand unmittelbar bevor) hat Robert Moser unzählige Rundgänge im Inneren des Schlosses und in der unmittelbaren Nähe unternommen. Es waren Architektur-Exkursionen innerhalb eines gewaltigen labyrinthischen Gebäudekomplexes, beispielsweise etwa vom zentralen Innenhof hinunter in die tiefstgelegenen, am Burggraben angrenzenden Gewölbe und dann wieder hinauf über die gotische Wendeltreppe und über den Dachboden – sechs Geschosse darüber – auf den Balkon des Turmes mit dem großartigen Panoramablick auf eine Hügellandschaft, wie sie nur hier im Mühlviertel zu finden ist. Es waren nächtliche Erkundungen durch den Burggraben, Streifzüge durch das Dickicht des die Festung umgebenden Gehölzes oder kleine Wanderungen auf verschiedensten Wegen und aus allen Himmelsrichtungen auf den oberhalb des Schlosses gelegenen Buchberg. Es war ein Gang durch die bewegte Geschichte von Schloss Weinberg. Und je länger die Verweildauer an diesem Ort, desto deutlicher fassbar war, dass hier in zahllosen Kampfhandlungen viel Blut geflossen ist. Auch solche Erkenntnisse haben auf die Genese der Bilder eingewirkt.

Robert Mosers „Bilder einer Landschaft“ wollen nicht die Welt beschreiben, sie sind auch keine repräsentativen Gesamtansichten eines Schlosses oder die Darstellung von Architekturdetails. Bestrebungen dieser Art verwirklichte Matthäus Merian, der übrigens auch Schloss Weinberg auf einem schönen Stich verewigt hat, in seinen topografischen Abhandlungen. 

“Aus der Ferne hat der See keine Wellen und die Bäume keine Blätter.”, so spricht ein großer chinesischer Landschaftsmaler vor mehr als tausendfünfhundert Jahren über seine Weise die Welt zu sehen. Dieser Gedanke, der die innere Erfahrung des Malers einschließt, ähnelt ganz sicher der Intention von Robert Moser: Das Motiv ist ein äußerer Anlass für die Entstehung eines Bildes. Aber um dann tatsächlich “das Bild“ malen zu können, braucht es – wie Rainer A. Riepl es formuliert – “eine besondere Weise aufmerksamen Hineinhorchens, welche Inhalte des eigenen schöpferischen Potentials hier und jetzt Gestalt werden wollen.” Aus einer solchen inneren Bewegtheit heraus sind während des Aufenthalts auf Schloss Weinberg